Gibt es überhaupt je etwas zu vergeben?

Verzeihen, vergeben: Gibt es überhaupt je etwas zu vergeben? Zu geben vielleicht, aber zu ver-geben? Der Dalai Lama hat mehrfach betont, dass jeder Mensch nach Glück strebt. (Sogar Hitler, Stalin und andere Verbrecher …) Aber oft tun wir das halt mit den ungeeigneten Mitteln. Oder wir sind sehr kurzsichtig. Ich trinke vielleicht zu viel Alkohol, weil ich glücklicher sein möchte. Oder zumindest mein Unglück vergessen will. Läuft auf dasselbe hinaus. Dass ich am Ende noch unglücklicher bin, bedenke ich unter Umständen nicht.

Unsere Eltern tun ebenfalls immer nur das, was sie glauben, dass es ihnen am meisten und am schnellsten Glück bringt. Und das haben sie auch früher getan, als wir klein waren. Sogar wenn der Vater vor der Geburt weggelaufen sein sollte oder Alkoholiker war und uns oder die Mutter geschlagen hat (Gott behüte!), oder die Mutter uns im Heim abgegeben hat und so fort … was hätten wir zu vergeben, zu verzeihen? Sie haben ja nur das tun können, was in ihrem Situation und in ihrer Sicht „das Beste“ war.

Das heißt NICHT, dass wir unmenschliches, unfreundliches oder gar kriminelles Verhalten gutzuheißen oder auch nur zu dulden hätten, wenn wir uns dem entziehen oder es sogar abstellen können. Es bedeutet nur, dass wir das Tun verurteilen können und dürfen und oft auch sollen (!), aber nicht das missgeleitete Bewusstsein, was eben nicht so recht bewusst war …

Mir scheint wesentlicher als Vergeben oder Verzeihen etwas anderes zu sein: Versöhnung, uns auszusöhnen. Ansehen, was war und was ist. Annehmen dass der/die andere – bzw. ich selbst !!! – (noch) nicht anders kann oder will …

Aber ich brauche das Leid, die Missverständnisse, Schuldgefühle aktiv oder passiv, Ablehnung, mangelnden Selbstwert, Niedermachen oder niedergemacht worden zu sein, etc. nicht auch JETZT noch mit mir herumzutragen.
Sondern ich kann alles, was geschehen ist, als eine Erfahrung annehmen – bitter viele, süß manche, unverständlich oder unwichtig die meisten. Es liegt an mir, wie wichtig mir mein Seelenfrieden ist. Wenn er mir wichtig ist, werde ich Probleme, die ich nicht lösen kann … nun, ich werde mich dann von den Problemen lösen. Ich versöhne mich – mit MEINEM Weg, mit MEINEM Schicksal … ich ermächtige mich SELBST!

Sehr hilfreich dafür sind Dank und Segnung. Darüber etwas in einem künftigen kleinen Beitrag.

© 2013 Wulfing von Rohr: www.wulfingvonrohr.info

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